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Frankenstein oder Der moderne Prometheus auf Englisch

FrankensteinMary Shelley
OriginalC2SpracheBritisches Englisch · Regentschaftszeit · 1818GenreSchauerliteratur & MysteryStimmungDüsterWissenschaftEhrgeizHörbuch

Ein junger Wissenschaftler erschafft aus Leichenteilen ein denkendes Wesen und lässt es im ersten Schreck allein zurück. Jahre später steht sein Geschöpf vor ihm und verlangt Rechenschaft dafür, dass es leben muss.

Das Buch ist wie eine russische Puppe aus drei Ich-Erzählungen gebaut: Außen schreibt der Polarforscher Robert Walton Briefe an seine Schwester, darin erzählt der gerettete Victor Frankenstein seine Lebensgeschichte, und in deren Kern berichtet das Geschöpf selbst, wie es die Welt erlebt hat. Alle drei Sprecher nutzen denselben gehobenen Tonfall des frühen 19. Jahrhunderts, ohne dass das Wesen einfacher oder im Dialekt spricht. Die Sätze sind lang, ausgewogen gebaut und voller Ausrufe, Selbstvorwürfe und rhetorischer Fragen. In die Erzählung schieben sich Naturbeschreibungen der Alpen und einzelne Verszitate der englischen Romantik.

Gefällt dir, wenn
  • du wissen willst, wie weit das Original von den Monsterfilmen entfernt ist
  • dich moralische Streitgespräche zwischen Schöpfer und Geschöpf mehr reizen als reine Action
  • du verschachtelte Brief- und Bekenntnisromane magst, in denen jede Seite ihre eigene Wahrheit erzählt
  • du ein Buch suchst, in dem auch das sogenannte Monster in klarem, gebildetem Englisch argumentiert
Eher nichts für dich, wenn
  • der Einstieg über Waltons Nordpol-Briefe und Victors Jugend in Genf braucht rund fünfzig Seiten Anlauf, bevor das Geschöpf überhaupt entsteht
  • die eigentliche Erschaffung im Labor wird in wenigen Sätzen abgehandelt, ganz ohne Blitze, Hebel und Apparate
  • alle Figuren sprechen im selben feierlichen, hochemotionalen Tonfall voller Klagen und Ohnmachtsanfälle
  • Humor gibt es im gesamten Buch praktisch keinen

Was für ein Buch „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ ist


Versionen von „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ auf Englisch: B1

Dasselbe Buch, angepasst an ein Niveau, auf dem du flüssig durchlesen kannst

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NiveauA1–A2B1–B2C1–C2ohne Niveauverschiedene WörterWörter pro SatzSeitenHörbuch
C2A1–A276 %B1–B216 %C1–C20 %ohne Niveau 8 % verschiedene Wörter 7.750Wörter pro Satz 22,5Seiten283HörbuchOriginal · Text des Autors · Englisch der Regentschaftszeit
C1.2A1–A281 %B1–B217 %C1–C20 %ohne Niveau 3 % verschiedene Wörter 5.540Wörter pro Satz 13,3Seiten277HörbuchAngepasst · Modernes Englisch · britische Schreibweise
B1.7A1–A287 %B1–B212 %C1–C20 %ohne Niveau 1 % verschiedene Wörter 3.340Wörter pro Satz 8,2Seiten281HörbuchAngepasst · Modernes Englisch · britische Schreibweise
Original · Text des Autors · Englisch der RegentschaftszeitC2A1–A276 %B1–B216 %C1–C20 %ohne Niveau 8 %verschiedene Wörter 7.750pro Satz 22,5283Seiten10Stunden
Angepasst · Modernes Englisch · britische SchreibweiseC1.2A1–A281 %B1–B217 %C1–C20 %ohne Niveau 3 %verschiedene Wörter 5.540pro Satz 13,3277Seiten11Stunden
Angepasst · Modernes Englisch · britische SchreibweiseB1.7A1–A287 %B1–B212 %C1–C20 %ohne Niveau 1 %verschiedene Wörter 3.340pro Satz 8,2281Seiten12Stunden
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Die Nachkommastelle zeigt, wo das Buch innerhalb des Niveaus liegt: C1.0 ist der Anfang von C1, C1.9 ist fast C2

Wortschatz nach Niveau

  • A1 70%
  • A2 17%
  • B1 9%
  • B2 4%

Über diese Ausgabe B1.7

This edition is at level B1.7 for intermediate learners. You keep every event and character and line of dialogue. Sentences are short with about eight words on average. The original had about twenty three words on average. Hard words at B2 and above are under one percent now. They were about eleven percent in the original. Rare words are explained in round brackets at first use. Reading time is about ten and a half hours. NewGen Books adapted this edition with the help of AI.

About the level

This edition is B1.7 on the NewGen Books scale (version 1.2) and the original C2; both are measured from the text itself. On the Flesch–Kincaid formula's US school scale the edition reads at grade 2 and the original at grade 10. In the CEFR's words, a B1 reader “can follow the plot of stories, simple novels and comics with a clear linear storyline and high frequency everyday language, given regular use of a dictionary.”

Bearbeitung 0.3.3 · 19. Okt. 2026


Leseprobe aus „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ auf Englisch

Eine Textstelle – so, wie jede Version sie schreibt.

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C1.2191 Wörter

When my guest had recovered a little, I had great difficulty keeping the men away. They wished to ask him a thousand questions. But I would not let their idle curiosity trouble him. His body and mind clearly needed complete rest to recover. Once, however, the lieutenant asked why he had come so far across the ice in such a strange vehicle.

His face immediately took on an expression of the deepest sadness, and he replied, “To seek someone who fled from me.”

“And did the man you were pursuing travel in the same way?”

“Yes.”

“Then I think we have seen him. The day before we picked you up, we saw some dogs pulling a sledge across the ice, with a man in it.”

This caught the stranger’s attention. He asked many questions about the route taken by the daemon (an older spelling of demon, used as an angry name for someone thought evil), as he called him. Soon afterwards, when he was alone with me, he said, “I have certainly stirred your curiosity, as well as that of these good people. But you are too thoughtful to ask questions.”

B1.7198 Wörter

My guest was a little better. I had much trouble keeping the men away. They wished to ask him a thousand questions. But I would not let them trouble him with their useless questions. His body and mind clearly needed full rest. Once, however, my officer asked a question. “Why did you come so far on the ice in so strange a carriage?”

His face at once grew very dark and sad. He replied, “To seek one who ran away from me.”

“And did the man you followed travel in the same way?”

“Yes.”

“Then I think we have seen him. One day before we found you, we saw some dogs. They were pulling a sledge (A vehicle on runners that slides over snow or ice) with a man in it across the ice.”

This woke the stranger’s attention. He asked many questions about the road the daemon (an older spelling of demon, used here as an angry name) had taken. He called him that. Soon after he was alone with me. He said, “I have surely woken your curiosity. I have woken the curiosity of these good people too. But you are too kind to ask questions.”

Dieselbe Textstelle auf verschiedenen NiveausIn der Leseansicht weiterlesen

Die Originalsprache von „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ und was sie dir bringt

Wie schwer die Sprache ist C2

Im Original liegt der Text auf C2-Niveau, obwohl 76 % des Wortschatzes auf die Grundstufen A1 und A2 entfallen. Die Hürde entsteht durch die 7.015 verschiedenen Wortformen auf knapp 78.000 Wörter, die 7 % seltenen Wörter jenseits der häufigsten 5.000 und vor allem durch den Satzbau mit durchschnittlich 22,5 Wörtern pro Satz. Dazu kommen 4 % Formen außerhalb des heutigen Standardwörterbuchs. Unsere Stufenfassungen auf B1.7 und C1.2 kürzen die Schachtelsätze und ersetzen das seltene Vokabular schrittweise, lassen den ernsten Erzählton aber stehen.

Was das praktisch heißt: Im Original ein anspruchsvolles C2-Stück wegen der langen Regency-Perioden und des lateinischen Wortschatzes; in der B1.7-Fassung gut machbar, sobald du dich an den feierlichen Ton gewöhnt hast.

Worauf du dich einstellen solltest

Gehobenes Regency-Englisch. Der Text von 1818 nutzt das formelle Register der britischen Literatursprache mit langen, symmetrisch gebauten Sätzen und vielen lateinisch geprägten Verben und Nomen wie «commence», «countenance», «endeavour» oder «peruse».
Einheitlicher Tonfall. Dialekt kommt im Buch überhaupt nicht vor; der Polarforscher Walton, der Gelehrte Victor und selbst das Geschöpf sprechen in derselben bildungsbürgerlichen Hochsprache.
Leichte Archaismen. Alte Anredeformen wie «thee» und «thou» tauchen nur vereinzelt auf, vor allem in feierlichen Ansprachen, Flüchen und in den eingestreuten Gedichtzitaten.
Rhetorische Ausrufe. In Momenten von Schuld oder Verzweiflung häufen sich emotionale Ausrufe und rhetorische Fragen, in denen sich die Sprecher direkt an ihr Gegenüber oder an das Schicksal wenden.

Wie du es liest und nicht aufhörst

  • Vorsicht bei «sensible»: Im Regency-Englisch dieses Buches heißt «to be sensible of something» fast immer, dass jemand etwas deutlich wahrnimmt oder sich einer Sache bewusst ist, nicht dass er empfindsam («sensibel») ist.
  • Lass dich von «eventually» und «become» nicht in die Irre führen: «eventually» bedeutet «schließlich» (nicht «eventuell»), und «what became of him» fragt danach, was aus ihm wurde, nicht was er bekam.
  • Halte in den im Schnitt 22,5 Wörter langen Sätzen immer zuerst nach Subjekt und Hauptverb Ausschau, denn anders als im Deutschen mit seiner Verbzweitstellung schiebt Shelley oft lange Partizipialgruppen vor das Subjekt.
  • Die drei verschachtelten Ich-Erzähler wechseln ständig zwischen Rückblicken im Simple Past, Vorvergangenheit im Past Perfect und gegenwärtigen Klagen im Present Perfect — achte darauf, auf welcher Zeitebene der Erzähler gerade spricht, statt alles wie das deutsche Perfekt zu lesen.

Inhalt von „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ · 32 Kapitel

  1. IntroductionSeite 1
  2. PrefaceSeite 10
  3. DedicationSeite 12
  4. EpigraphSeite 12
  5. Letter ISeite 12
  6. Letter IISeite 17
Alle 32 Kapitel
  1. Letter IIISeite 21
  2. Letter IVSeite 23
  3. Chapter ISeite 32
  4. Chapter IISeite 38
  5. Chapter IIISeite 46
  6. Chapter IVSeite 56
  7. Chapter VSeite 64
  8. Chapter VISeite 73
  9. Chapter VIISeite 82
  10. Chapter VII (Fortsetzung)Seite 89
  11. Chapter VIIISeite 95
  12. Chapter IXSeite 106
  13. Chapter XSeite 115
  14. Chapter XISeite 123
  15. Chapter XIISeite 134
  16. Chapter XIIISeite 141
  17. Chapter XIVSeite 149
  18. Chapter XVSeite 155
  19. Chapter XVISeite 166
  20. Chapter XVIISeite 178
  21. Chapter XVIIISeite 185
  22. Chapter XIXSeite 195
  23. Chapter XXSeite 204
  24. Chapter XX (Fortsetzung)Seite 210
  25. Chapter XXISeite 216
  26. Chapter XXI (Fortsetzung)Seite 223
  27. Chapter XXIISeite 230
  28. Chapter XXIIISeite 242
  29. Chapter XXIVSeite 252
  30. Chapter XXIV · Teil 2Seite 262
  31. Chapter XXIV · Teil 3Seite 270

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Die Geschichte hinter „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“

  1. Ein Geistergeschichten-Wettbewerb am Genfersee

    Während eines verregneten Sommers nahe Genf begann die damals achtzehnjährige Mary Godwin (später Shelley) mit der Geschichte, nachdem Lord Byron vorgeschlagen hatte, dass jedes Mitglied der Gesellschaft eine Geistergeschichte schreiben solle.

    Mary Shelley, Introduction to the 1831 edition

  2. Anonyme Erstausgabe

    Frankenstein oder Der moderne Prometheus erschien am 1. Januar 1818 in drei Bänden, anonym und mit einem Vorwort von Percy Bysshe Shelley, sodass viele Rezensenten annahmen, er sei der Autor.

    Title page of the 1818 first edition

  3. Zweite Ausgabe nennt die Autorin

    Eine zweite Ausgabe, die mithilfe ihres Vaters William Godwin erstellt wurde, trug erstmals Mary Shelleys Namen.

  4. Erste Bühnenadaption

    Richard Brinsley Peakes Theaterstück Presumption; or, the Fate of Frankenstein feierte in London Premiere und begründete das lange Bühnenleben der Geschichte; Mary Shelley besuchte eine Aufführung.

  5. Überarbeitete einbändige Ausgabe

    Shelley überarbeitete den Text für die Reihe Standard Novels grundlegend und fügte eine neue Einleitung hinzu, in der sie beschrieb, wie sie auf die Geschichte gekommen war; diese Ausgabe wurde für ein Jahrhundert zur Standardfassung.

    Mary Shelley, Introduction to the 1831 edition


In der Kultur „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“

10 Adaptionen und Erwähnungen, 1818–2011

  1. In der Sprache Frankenstein

    Der Name wurde zum Inbegriff für jede Schöpfung, die sich der Kontrolle ihres Schöpfers entzieht und sich gegen ihn wendet, obwohl er eigentlich dem Wissenschaftler und nicht dem von ihm geschaffenen Wesen gehört.

  2. Bühne Presumption; or, the Fate of Frankenstein

    Peakes Londoner Melodram verlieh der Kreatur erstmals eine stumme, bedrohliche Bühnenpräsenz – ein Bild, das spätere Filme wieder aufgreifen sollten.

  3. Film Frankenstein (James Whale)

    Universals Film mit Boris Karloff und dem Make-up von Jack Pierce prägte das flachköpfige, mit Bolzen versehene Monster, das sich heute die meisten Menschen vorstellen – weit entfernt von der sprachgewandten Kreatur des Romans.

  4. Serie Familie Munster

    Die amerikanische Sitcom verwandelte das Universal-Monster in einen sanftmütigen Familienvater und zeigte damit, wie sehr die Figur bereits zur Folklore geworden war.

  5. Musik „Frankenstein“ (The Edgar Winter Group)

    Der Instrumentalhit, der Berichten zufolge aus zusammengeklebten Tonbandstücken entstand, verdankt seinen Namen der Idee, aus Einzelteilen etwas Neues zusammenzusetzen.

  6. Bühne The Rocky Horror Show

    Richard O'Briens Musical machte Dr. Frank-N-Furter zum extravaganten Schöpfer eines künstlichen Menschen und entwickelte sich zu einem der langlebigsten Kultstücke der Theatergeschichte.

  7. Film Frankenstein Junior

    Mel Brooks' Schwarz-Weiß-Parodie nahm die Universal-Filme der 1930er-Jahre liebevoll aufs Korn und wurde zu einem Klassiker der Filmkomödie.

  8. Kunst Bernie Wrightsons illustrierter Frankenstein

    Wrightsons detailreiche Federzeichnungen, die über mehrere Jahre hinweg entstanden, zählen zu den bekanntesten Illustrationen des Romans.

  9. Bühne Frankenstein (National Theatre)

    Danny Boyles Inszenierung, in der Benedict Cumberbatch und Jonny Lee Miller abwechselnd die Rollen von Victor und der Kreatur spielten, erzählte die Geschichte wieder aus dem Blickwinkel der Kreatur.

  10. In der Sprache Frankenfood

    Geprägt in den frühen 1990er-Jahren für gentechnisch veränderte Lebensmittel, zeigt der Begriff, wie der Roman zum gängigen Mahnbild für wissenschaftliche Selbstüberschätzung wurde.


Fragen und Antworten zu „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ auf Englisch

Heißt das Monster Frankenstein oder der Wissenschaftler?

Frankenstein ist der Nachname des Wissenschaftlers Victor, nicht der seines Geschöpfs. Das Wesen bekommt im gesamten Roman keinen eigenen Namen, sondern wird von Victor und sich selbst als «creature», «fiend», «daemon» oder «wretch» bezeichnet. Dass im Alltag meist das Monster Frankenstein genannt wird, geht erst auf spätere Theater- und Filmfassungen zurück.

Kann das Monster im Buch sprechen oder grunzt es nur wie im Film?

Im Buch spricht das Geschöpf fließendes, hochgebildetes Englisch und hält den längsten zusammenhängenden Monolog des gesamten Romans. Es bringt sich das Sprechen und Lesen selbst bei, indem es monatelang durch einen Wandspalt eine Familie beobachtet und Bücher wie Miltons «Paradise Lost» liest. Das stumme, wankende Wesen mit Schrauben im Hals stammt erst aus der Verfilmung von 1931.

Wie erweckt Victor das Wesen im Buch zum Leben — gibt es die Szene mit dem Blitz?

Im Roman gibt es weder ein Gewitter noch elektrische Apparate oder einen Gehilfen namens Igor. Mary Shelley beschreibt den eigentlichen Moment in einem einzigen kurzen Absatz in einer regnerischen Novembernacht und lässt Victor das genaue Verfahren absichtlich verschweigen, damit niemand sein Unglück wiederholt. Alles rund um Blitze, Hebel und den Ruf «Es lebt!» wurde erst für Bühne und Kino erfunden.

Warum fängt das Buch mit Briefen vom Nordpol an?

Die vier Briefe des Polarforschers Robert Walton bilden die Rahmenhandlung, in der ein völlig erschöpfter Victor Frankenstein auf dem Packeis aufgelesen wird. Walton will genau wie Victor aus wissenschaftlichem Ehrgeiz Grenzen überschreiten, und Victor erzählt ihm seine Geschichte als Warnung vor diesem Drang. Wenn du die ersten zwanzig Seiten durchhältst, übernimmt Victor selbst das Wort und die eigentliche Handlung in Genf und Ingolstadt beginnt.

Warum bringt das Geschöpf Menschen um, die ihm nichts getan haben?

Das Wesen wird nicht böse geboren, sondern sucht anfangs Nähe und Hilfe bei den Menschen. Erst als sein eigener Schöpfer vor ihm flieht und jeder Mensch, dem es begegnet, auf sein Aussehen mit Gewalt oder Panik reagiert, schlägt seine Einsamkeit in gezielte Rache an Victors Familie um. Im Zentrum des Buches erklärt es ihm selbst, dass erst das Elend es zum Mörder gemacht hat.

Welche Fassung ist das hier — 1818 oder 1831?

Unsere Ausgabe folgt dem Erstdruck von 1818, also der Fassung, die Mary Shelley mit neunzehn Jahren veröffentlichte. In der überarbeiteten Ausgabe von 1831 änderte sie vor allem den Anfang in Genf und stellte Victors Handeln stärker als unausweichliches Schicksal statt als freie Entscheidung dar. Sprachlich und im Ablauf der Haupthandlung liegen beide Fassungen aber eng beieinander.

Stimmt es, dass Mary Shelley die Geschichte bei einer Wette am Genfer See erfunden hat?

Ja, der Entwurf entstand im verregneten Sommer 1816 in der Villa Diodati am Genfer See, als Lord Byron vorschlug, dass jeder in der Runde eine Geistergeschichte schreiben solle. Mary Shelley war damals achtzehn Jahre alt und reiste mit ihrem späteren Mann Percy Bysshe Shelley. Aus einem Wachtraum nach abendlichen Gesprächen über Galvanismus und Naturphilosophie baute sie in den folgenden Monaten den vollständigen Roman.

Ist das Buch überhaupt gruselig oder eher philosophisch?

Es ist viel stärker ein moralisches und psychologisches Drama als ein Schauerroman mit Schreckmomenten. Statt blutiger Details liest du lange Streitgespräche über Verantwortung, Einsamkeit und die Frage, was ein Schöpfer seinem Geschöpf schuldet. Die unheimliche Stimmung entsteht durch die Schuldgefühle Victors und die eisigen Landschaften, nicht durch plötzlichen Horror.

Welche Verfilmung hält sich am engsten an das Buch?

Keine der großen Kinoverfilmungen übernimmt die Vorlage vollständig, aber «Mary Shelley’s Frankenstein» von Kenneth Branagh (1994) folgt dem Aufbau mit Polar-Rahmenhandlung und sprechendem Geschöpf am weitesten. Auch dort wird die Erschaffungsszene allerdings laut und dramatisch ausgemalt, während das Buch sie fast übergeht. Wer nur den Klassiker von 1931 mit Boris Karloff kennt, liest im Roman eine fast völlig andere Geschichte.

Für wen ist das Buch zäh zu lesen?

Wer schnelles Tempo, viel knappen Dialog oder technische Science-Fiction-Details erwartet, tut sich mit dem Buch oft schwer. Victor fällt immer wieder in wochenlange Nervenfieber, reist ausführlich durch die Alpen und Großbritannien und beklagt seitenlang sein Schicksal, bevor der nächste Handlungsschritt folgt. Wenn du dagegen lange innere Monologe und das Rededuell zwischen Schöpfer und Geschöpf in der Buchmitte magst, trägt dich genau dieser Aufbau.


Steckbrief zu „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“

17 Angaben zu Ausgabedaten und gemessenen Textmerkmalen. Alles nachprüfbar.

Originaltitel
Frankenstein · „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“
Autor
Mary Shelley
Ersterscheinung
1818
Originalsprache
Englisch
Genre
Schauerliteratur & Mystery · Klassiker · Science-Fiction
Stimmung
Düster
Themen
Wissenschaft · Ehrgeiz · Schuld · Identität
Schauplatz
Genf, Ingolstadt, die Schweizer Alpen, Schottland und das Nordpolarmeer · Ende des 18. Jahrhunderts
Verschiedene Wörter
7.015
Wörter pro Satz
23 Wörter
Niveau des Originals
C2
Versionen
C2, C1.2, B1.7
Umfang des Originals
33 Kap. · 77.832 Wörter
Lesezeit
~7 Std. 10 Min.
Textquelle
Standard Ebooks
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